Fatbike - Rad der Extreme

Es ist offensichtlich. Das Fatbike ist extrem, deshalb zieht es überall und sofort die Blicke auf sich. 

"Das Fatbike hat ..."

"die dicksten Reifen aller Räder* ..."

... und kann dadurch auf jegliche Federung verzichten. Im Stadtbereich ist keine Federung erforderlich, denn das schlimmste, was einem hin und wieder in die Quere kommt, ist eine Bordsteinkannte. Mit Kopfsteinpflaster, Straßenfugen, Gullydeckeln kommen die dicken Reifen alleine bestens klar. Auch Straßenbahnschienen verlieren jeglichen Schrecken. Ein 4-Zoll Reifen ist etwa doppelt so breit wie der Spalt in der Schiene.
Die dicken Reifen haben weitere Folgen für das Rad ...


* "aller Räder". Hier sind in Größe und Art vergleichbare Räder gemeint. Rennrad, MTB, Trekking-, Touren-, Cityrad. Also keine Lastenräder oder Falträder mit kleinen Reifen.


 

"die schwersten Laufräder aller Räder"

Die Felgen sind breiter, der Reifen hat auch deutlich mehr Masse. Allein der Schlauch wiegt etwa 600gr. Etwas Erleichterung kann man sich verschaffen, wenn man auf den Schlauch verzichtet und tubeless fährt. Bei keinem anderen Bike hat tubeless einen so großen Effekt wie beim Fatbike. Trotdem ist das Laufrad zwei- bis dreimal so schwer wie bei einem "normalen" Rad. Beim Rennrad vielleicht noch extremer.
Der Unterschied kann bei manchen Rädern abgemildert sein durch Nabenschaltungen oder Nabendynamos. Beim Fatbike findet man sowas nur selten.

"die größte Trägheit aller Räder"

die schweren Räder in Gang zu setzen erfordert viel Kraft. Sie abzubremsen übrigens auch. Denn wenn sie erstmal laufen, laufen sie aufgrund der höheren Schwungmasse sehr gleichmäßig.
Diese hohe Trägheit ist in meinen Augen der einzige wirkliche Nachteil des Fatbike und für die meisten Radler der Grund, nach einer kurzen Probefahrt für immer abzusteigen.
Von allen Rädern lässt sich das Fatbike am schwersten in Gang setzen. Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass man mit der Zeit die Kraft entwickelt, es zu bewegen.  Niemand würde mir vorwerfen, dass ich langsam mit dem Fatbike unterwegs bin. Inzwischen starte ich auf meinen Fatbike schneller als ein normaler Freizeitradler. Tatsächlich gibt es momentan nur zwei Mölgichkeiten, mich zu überholen. In der Ebene gut trainiert auf einem Rennrad. An Steigungen.

"den größten Laufradurchmesser aller Räder. 29 Zoll minimum"

Mein Rad hat etwa 29,5 Zoll Durchmesser und fährt damit locker jedem 26 Zoll MTB davon. Nun gut, wir schreiben das Jahr 2019 und 26 Zoll MTB sind aus der Mode.
Ich sehe sie aber noch oft und weiß: Das kriege ich!

"den geringsten Reifendruck aller Räder"

MTBler fahren das Fatbike mit etwa 0,5 bar. Ich selbst fahre vorn 0,7 bis 1bar, der Federung wegen und hinten mit 1,4 bis 1,6bar, der Geschwindigkeit und des Gepäcks wegen. Diese sanfte Luftfederung findet man bei keinem anderen Rad, auch nicht bei solchen mit Ballonreifen.
Schräg über eine Kante, einen Bordstein fahren? Kein Problem. Ich kenne mehrere Personen, die auf e-Bike und Rennrädern dabei teils schwer gestürzt sind.

"den größten Kontakt zum Boden und damit den besten Grip aller Räder"

Für mich ein sehr wichtiger Punkt. Vor dem Fatbike hatte ich in drei Jahren etwa 12 Stürze. Die meisten aufgrund blockierendem Vorderrad bei verkehrsbedingten Vollbremsungen. Dieses Problem habe ich seit dem Fatbike nicht mehr. Mit dem Fatbike bin ich in drei Jahren zweimal gestürzt, beide Male aufgrund von Eisglätte. Mehrfach hatte ich problemlose Vollbremsungen auf nasser Fahrbahn, die auf meinen anderen Rädern sicher zum Sturz geführt hätten.

"nach dem Rennrad das größte Potential, Gewicht zu sparen"

Als MTB ist das Fatbike ähnlich spartanisch ausgerüstet wie ein Rennrad. Es fehlen Schutzbleche, Gepäckträger, Ständer.
Wegen der dicken Reifen kann auf eine Federung verzichtet werden und hier zeigt sich ein Unterschied zu City- und Trekkingrädern. Diese sind meist mit Federung ausgestattet.
Carbon-Fatbikes bringen unter 10kg auf die Waage. Das Fatbike sieht mächtig und schwer aus, ist es aber gar nicht. Meines wiegt ohne Anbauten (Gepäckträger, Rahmentasche) um die 13kg.
Nach dem Rennrad hat es von allen Rädern das meiste Potential, Gewicht einzusparen. Durch ein geringeres Gesamtgewicht gleicht es die Trägheit wieder etwas aus. 
Das Fatbike lässt sich zwar schwerer beschleunigen als jedes andere Rad, erreicht aber höhere Geschwindigkeiten als die meisten anderen Räder. Natürlich hat es gegen ein Rennrad keine Chance.

Es gibt einen Nachteil, ansonsten nur Vorteile ...

Zunächst der Nachteil. Die schwersten Laufräder aller Räder haben Folgen. Man braucht mehr Kraft als bei jedem anderen Rad, sie in Bewegung zu setzen. Ein kräftiger Tritt auf dem Rennrad führt zu einem sofortigen Schub nach vorne. Auf dem Fatbike passiert da nichts. Am ehesten hebt man sich selbst aus dem Sattel. Von allen Rädern beschleunigt das Fatbike am langsamsten, auch wenn es ansonsten leicht gebaut ist. Fährt man regelmäßig, kann man damit aber gut leben, denn mit der Zeit entwickelt man die Kraft, das Rad zu bewegen. Ich selbst werde nur von sportlichen Rennrädern überholt, alle anderen überhole ich.
Schwere Räder sind ein Nachteil beim Beschleunigen, aber sie haben auch einen Vorteil. Wenn sie erstmal laufen ... dann laufen sie. Hört man auf zu treten, passiert auch erstmal nichts. Das Fatbike hat von allen Rädern die höchste Laufruhe.
Es lohnt sich wie bei keinem anderen Rad, auf tubeless umzurüsten. Trotzdem hat man immer noch die schwersten Laufräder.